Fehlstart für die Schweiz an der Heim WM (Bericht Swiss Shooting)

31.05.2018 - Die Schweizer gehen am ersten Wettkampftag der 50. CISM-Weltmeisterschaften in Thun leer aus. Die Männer belegen im Teamwettkampf Standardgewehr 300m 3x20 den fünften Rang, das Frauen-Trio klassiert sich im Teamwettkampf Gewehr 50m liegend auf dem 8. Rang. Dabei wäre durchaus mehr drin gelegen.

  

Gross waren die Hoffnungen, dass die Schweiz am ersten Tag der CISM-Weltmeisterschaften in der wohl vertrauten Guntelsey auch gleich die erste Medaille würde feiern können. Doch die Hoffnungen zerschlugen sich. Dabei wäre Edelmetall an diesem 31. Mai in Reichweite gewesen. Im Liegendwettkampf Gewehr 50m der Frauen hätten 1840.6 für Bronze gereicht. Das sind keine 614 Punkte pro Schützin. Ein Wert, den Nina Christen (Wolfenschiessen NW), Petra Lustenberger (Rothenburg LU) und Vanessa Hofstetter (Neuenegg BE) sonst wohl in jedem Training übertreffen. Doch an einer Heim-WM zittern die Hände etwas mehr, schlägt der Puls etwas schneller und ist der Druck grösser. Wirklich zufrieden konnte am Schluss des Wettkampfs nur Nina Christen sein. Sie erzielte 619.2 Punkte und war damit die zweitbeste Schützin im Feld. «Für den Einzelwettkampf gibt mir das ein gutes Gefühl. Ich konnte im Schiessstand gute Arbeit zeigen, habe den Wind richtig gelesen und dann auch die richtige Taktik gewählt», zog sie Bilanz. «Aber die Bedingungen werden morgen wieder ganz anders sein.» 

Mit eben diesen Bedingungen kam Petra Lustenberger nicht zurecht. «In der ersten Serie habe ich mir sehr viel Zeit gelassen, um auf den Wind zu reagieren», erklärte sie. «Aber dann habe ich komplett den Faden verloren», ging sie hart mit sich ins Gericht. 97.1 Punkte in der dritten Serie waren die Quittung. Sie ging aus der Stellung und versuchte sich neu zu sammeln. So gut die Idee war, sie rächte sich am Schluss. «Ich geriet etwas in Zeitnot», so die Luzernerin. Mit 608.1 Punkten belegte sie den 30. Rang in der Einzelrangliste, einen Rang vor Teamkollegin Vanessa Hofstetter, die mit 99.7 Punkten in der ersten Serie einen denkbar schlechten Start erwischte. Zwar konnte sie sich etwas steigern. 607.3 Zähler standen am Schluss auf ihrem Konto. 

 

Vanessa Hofstetter (mit Schweizer Kreuz) konnte ihr Potenzial nicht abrufen.

 

Die 1834.6 Punkte im Total reichten am Schluss für den enttäuschenden achten Rang. Auf die Ukrainerinnen auf dem Bronzeplatz fehlten genau sechs Zähler. Auch Silber und Gold wären für die Schweizerinnen in Reichweite gewesen, hätten sie ihre gewohnte Leistung abrufen können. Weder die Chinesinnen mit 1843.6, noch die siegreichen Norwegerinnen mit 1846.0 Punkten schossen in einer eigenen Liga. Solche Werte liegen absolut im Bereich der Schweizerinnen. Zumindest über etwas können sich die Schweizerinnen freuen: Alle drei haben sich für den Einzelwettkampf vom Freitag qualifiziert und können es dann besser machen.

 

Männer verpassen Edelmetall um sieben Punkte

 

Auch den Schweizer Männern blieb am Schluss nur der Katzenjammer. «Heute hätte eine normale Leistung gereicht, um eine Medaille zu holen», sagte Rafael Bereuter (Müswangen LU) nach dem Teamwettkampf Standardgewehr 300m 3x20. Während er mit 583 Punkten diese Leistung abrufen konnte, blieben Gilles Dufaux (Granges-Paccot FR) und Andrea Rossi (Dietfurt SG) unter ihrem gewohnten Niveau. Dufaux verlor vor allem kniend (187) an Boden, und stehend (188) konnte er kaum Plätze gut machen. Da nützten die 199 Punkte liegend nur wenig. 574 stand bei Dufaux nach Wettkampfende auf der Anzeigetafel. Andrea Rossi, der in der zweiten Ablösung startete, war kniend und liegend sehr gut unterwegs. Die Schweizer durften sich Hoffnung auf Silber machen. Doch beim gebürtigen Tessiner passte stehend gar nichts mehr zusammen. Die 173 Punkte (562 total) liessen die Schweiz auf Rang 5 zurückfallen. Sieben Punkte fehlten auf Bronze. 

 

Rafael Bereuter war der beste Schweizer Gewehrschütze.

 

«Bei uns allen haben die Nerven nicht mitgespielt», analysierte Rafael Bereuter. Die Bedingungen seien gut gewesen. Daran habe es nicht gelegen. Aber alle – auch er selbst – seien zu verkrampft gewesen. Locker drauf waren offenbar die Norweger, die genau wie ihre Landsfrauen jubeln durften. Sie erzielten mit 1752 Punkten einen neuen CISM-Weltrekord. Eine neue Bestmarke gab es auch in der Einzelwertung. Diese gelang aber nicht einem Norweger, sondern dem Dänen Steffen Olsen, der mit 590 Punkten den alten Rekord um zwei Zähler verbesserte.

Der Start in die Heim-WM ist den Schweizern missglückt. Entsprechend unzufrieden war Daniel Burger, Leiter Bereich Spitzensport, am Ende des Wettkampftages. «Heute wären zwei Medaillen möglich gewesen», sagte er. Doch die Schweizer hielten dem Druck nicht Stand. Den Gewehrschützinnen und -schützen bleiben zwei Team- und vier Einzelwettkämpfe, um doch noch das ersehnte Edelmetall zu gewinnen.

 

Pistolenschützen mit guter Ausgangslage

Besser lief es am ersten Wettkampftag den Pistolenschützen. Sie haben den ersten Teil des Teamwettkampfs mit der Zentralfeuerpistole 25m absolviert. Sandro Loetscher (Gelterkinden BL), Steve Demierre (Auboranges FR) und Guido Muff (Rothenburg LU) brachten sich dabei in eine gute Ausgangslage für den Schnellfeuerteil vom 1. Juni. Bester Schweizer war Loetscher mit 290 Punkten. «Bis auf einzelne Schüsse war das eine gute Leistung», sagte er. Die Sicht- und Lichtverhältnisse seien nicht ideal gewesen. «Das hat mich zum einen oder anderen Fehler verleitet.» Steve Demierre zeigte eine sehr solide Leistung und erzielte 287 Punkte. Bei Guido Muff schlichen sich ein paar Fehler mehr ein. Er kam auf 276 Zähler. Nationaltrainerin Claudia Loher lobte den Kampfgeist von Muff. «Er hat nie aufgegeben, hat gekämpft und auf jeden Fehler richtig reagiert.»

 

Steve Demierre und seine beiden Kollegen brachten sich am ersten Tag des Teamwettkampfs mit der Zentralfeuerpistole in eine gute Ausgangslage.

 

Für schöne Geschichten sorgten am ersten WM-Tag nicht nur die erfolgreichen Norweger, sondern auch die Schützen aus Eswatini (ehemals Swasiland). Die Pistolenschützen aus Schwarzafrika standen ohne Sportgeräte im provisorischen Schiessstand Auwald. Doch das CISM-Motto lautet nicht umsonst «Freundschaft durch Sport». Die Athleten aus Eswatini konnten auf die Schützensolidarität zählen. Es wurde eine Pistole aufgetrieben und die verschiedenen Nationen legten Munition zusammen.

Der Pistolenschiessstand lieferte auch noch eine zweite Anekdote: der Wettkampf der Frauen (ohne Schweizer Beteiligung) vom Nachmittag musste wegen eines Unwetters unterbrochen werden. In der Guntelsey – keine drei Kilometer entfernt – blieb es trocken. (van)

 

Bericht von Swiss Shooting