Gold und Bronze für die Schweiz

Gold für Nina Christen, Bronze für Gilles Dufaux

 

Gold für Nina Christen! Die Nidwaldnerin lancierte die Heim-WM mit einem souveränen Sieg im Liegend-Wettkampf Gewehr 50m.

 

01.06.2018 - Die Schweizer können es doch! Nach dem verhaltenen Start am Donnerstag haben die Schweizer Gewehrschützen tags darauf ein kleines Feuerwerk gezündet. Nina Christen gewann mit 623.0 Punkten den Liegend-Wettkampf Gewehr 50m, Gilles Dufaux sicherte sich die Bronzemedaille mit dem Standardgewehr 300m 3x20.

  

Schon im Teamwettkampf hatte Nina Christen (Wolfenschiessen NW) mit der zweitbesten Leistung aller Athletinnen angedeutet, dass im Liegendwettkampf Gewehr 50m mit ihr zu rechnen ist. Und wie: Die Zeitmilitär-Soldatin zeigte eine ausgeglichene, starke Leistung und siegte mit 623.0 Punkten. Direkt neben ihr schoss die Ukrainerin Lesya Leskiv. Und an ihr orientierte sich Nina Christen kurz vor Schluss. Leskiv hatte den Wettkampf mit 622.1 Punkten abgeschlossen. «Ich habe mir gesagt: Das schaffe ich auch», erklärte eine lachende Nina Christen nach dem Wettkampf. Den 105.4 Punkten in der fünften liess sie 104.0 Punkte in der sechsten Serie folgen. Leskiv war geschlagen. Dass dies gleichzeitig die Goldmedaille bedeutete, war Christen während des Wettkampfs nicht ganz bewusst. Der Applaus der zahlreichen Zuschauer hat ihr aber die Bestätigung gegeben, dass die erste Medaille an den Heim-Weltmeisterschaften Tatsache ist. Die Erleichterung war nicht nur bei ihr, sondern auch beim Trainerstaff gross.

Nachdem am Donnerstag den Schweizern die Nervosität anzumerken war, schien der Heimvorteil die Schweizer am zweiten Tag zu beflügeln. Das gilt auch für die zwei weiteren Eidgenossinnen im Wettkampf. Petra Lustenberger (Rothenburg LU) und Vanessa Hofstetter (Neuenegg BE), die im Teamwettkampf nicht ihr volles Potenzial ausschöpfen konnten, rehabilitierten sich im Einzelwettkampf eindrücklich. Lustenberger schoss lange um eine Medaille mit. Erst in den letzten beiden Serien (102.4, 101.0) fiel sie aus den Top Drei heraus. Mit 617.8 Punkten belegte sie den neunten Rang. Auf die Österreicherin Franziska Peer und damit auf Bronze fehlten ihr genau zwei Zähler. Mit nur 0.6 Punkten weniger folgte Vanessa Hofstetter auf dem 13. Rang. 1858.0 Punkte haben die drei Schweizerinnen gemeinsam erzielt. Zur Erinnerung: Am Donnerstag, 31. Mai, ging Gold für zwölf (!) Punkte weniger weg. Der verpassten Teammedaille wollte aber niemand mehr nachtrauern. Mit Einzelgold und einer starken Teamleistung haben sich die Schweizerinnen eindrücklich für den verpatzten Auftakt rehabilitiert.

 

Starke Reaktion der Schweizer wird mit Bronze belohnt

Dasselbe gilt für Gilles Dufaux (Granges-Paccot FR), Andrea Rossi (Dietfurt SG) und Rafael Bereuter (Müswangen LU). Auch sie trauerten am Eröffnungstag der CISM-Weltmeisterschaften einer verpassten Teammedaille nach. An Tag 2 zeigten sie eine starke Reaktion. Allen voran Gilles Dufaux: Der Romand hatte im Teamwettkampf seinen Rhythmus nie gefunden. Das war nun anders: Der Schnellschütze absolvierte seinen Wettkampf wie gewohnt in einem raschen Tempo. Und das bekam ihm und seiner Leistung gut. 195 Punkte kniend und 197 Punkte liegend brachten ihn in eine gute Ausgangslage. Dufaux wusste aber auch, dass es angesichts des hohen Niveaus eine Topleistung in den Stehend-Passen brauchte, um die Medaillenchance zu wahren. Und Dufaux enttäuschte nicht. Er erzielte bärenstarke 195 Punkte und war damit zusammen mit dem Österreicher Bernhard Pickl und dem Finnen Juho Kurki der beste Stehendschütze. Gilles Dufaux hatte 587 Punkte vorgelegt, nun begann das lange Warten. Auf der provisorischen Rangliste war er noch ein paar Plätze von einer Medaille entfernt, doch ein Schütze nach dem anderen konnte im Stehendanschlag nicht mit Dufaux mithalten. Kurz vor Schluss lag der Norweger Kim-André Lund mit 590 Punkten (und egalisiertem Weltrekord) vor seinem Landsmann Odd Arne Brekkne mit 587 Punkten. Brekkne lag wegen eines Innenzehners mehr vor dem Schweizer. Nun lag es an Altmeister Rajmond Debevec aus Slowenien, der als einziger noch die Möglichkeit gehabt hätte, Dufaux vom Podest zu verdrängen. Doch zwei Neuner hintereinander besiegelten sein Schicksal. Dufaux war die Bronzemedaille nicht mehr zu nehmen.

Nahe dran an Edelmetall war auch Rafael Bereuter. Der Luzerner zählte nach den Kniend- und Liegend-Schüssen zur absoluten Spitze, verlor aber stehend den einen oder anderen Punkt zuviel. Mit 584 Punkten belegte er den 10. Rang. Eine starke Leistung, dennoch war Bereuter sichtlich unzufrieden. Beim dritten Schweizer im Bunde, dem gebürtigen Tessiner Andrea Rossi, passte im Teamwettkampf nicht viel zusammen. Im Einzelbewerb war er nicht mehr wiederzuerkennen. Er erzielte hervorragende 583 Punkte und belegte am Ende den 13. Rang. Auch bei den Männern sei ein kleines Rechenspiel erlaubt: Das Schweizer Trio erzielte im Einzelwettkampf zusammengezählt 1754 Punkte. Damit waren sie sogar besser als die Norweger bei ihrem Team-Weltrekord tags zuvor. Allerdings konnten sich auch die Norweger nochmals steigern. Sie belegten die Ränge 1, 2 sowie 11 und kamen zusammen auf 1760 Zähler.

 

Ansprechender siebter Rang der Pistolenschützen und ein Versprechen für den Einzelwettkampf

Eine Erfolgsmeldung gab es auch aus dem Pistolenstand Auwald. Das Schweizer Männer-Team beendete den Teamwettkampf Zentralfeuerpistole 25m auf dem ansprechenden 7. Rang. Guido Muff (Rothenburg LU), Steve Demierre (Auboranges FR) und Sandro Loetscher (Gelterkinden BL) erzielten 1706 Punkte. Auf die drittplatzierten Tschechen fehlten elf Punkte. Um Gold und Silber stritten sich China und die Ukraine. China behielt mit 1727 gegenüber 1724 Zählern das bessere Ende für sich. Die Schweizer konnten sich in einem starken Feld sehr gut behaupten, eine Medaille wäre eine Überraschung gewesen. Alle drei konnten ihren guten Auftritt vom Donnerstag in der Präzision im zweiten Wettkampfteil, dem Schnellfeuer, bestätigen. Guido Muff war wie tags zuvor kämpferisch, gab nie auf und wurde mit einer Steigerung belohnt. Er erzielte total 556 Punkte. Das reichte für den 63. Platz unter allen Schützen. Für Steve Demierre schaute mit 569 Punkten die 29. Position heraus. Ihm unterlief erst in den letzten zwei Schnellfeuerserien der eine oder andere Fehler. «Ich bin zufrieden mit der Leistung», erklärte er. Bis zum Weltcup München habe er praktisch nur mit der Luftpistole trainiert. Dort wurde er mit dem sensationellen 9. Rang belohnt. Der Umstieg auf die Zentralfeuerpistole sei ihm angesichts des wenigen Trainings sehr gut gelungen.

Bester Schweizer Pistolenschütze war Sandro Loetscher. Der Baselbieter zeigte an beiden Tagen eine starke Leistung und machte deutlich, dass mit ihm auch im Einzelwettkampf zu rechnen ist. Mit 581 Punkten und 23 Innenzehnern war er der zweitbeste Schütze im Teamwettkampf.

 

Bericht von Swiss Shooting